Montag, 30. Januar 2012

Mord im ICE!

Seit Wochen freue ich mich auf meinen Kurzurlaub in Berlin. Endlich mal wieder raus kommen, ein paar Freunde treffen, ein paar Tage frei haben. Und ganz besonders freue ich mich diesmal auf die Hin- und Rückfahrt. Normalerweise fahre ich die 600 Kilometer mit dem Auto. Diesmal aber habe ich mir eines von diesen ICE-Schnäppchen ersteigert und fahre für schlappe 40 Euro nach Berlin und wieder zurück. Sieben Stunden ICE. Sieben Stunden nichts tun außer schlafen, lesen und essen.Die einzige Action auf dieser Hinfahrt wird das Umsteigen in Mannheim werden, mit einer Umsteigezeit von vier Minuten. 

Mein Adrenalin steigt das erste mal an, als wir bereits bei der Abfahrt in Stuttgart sieben Minuten Verspätung haben.
Der ICE in Mannheim braucht aber nicht zu warten, stellt sich ein paar Minuten später heraus als ich mit meinem Handy im Internet den aktuellen Fahrplanstatus abrufen will. Der ICE 872 von Mannheim nach Berlin fällt heute nämlich aus, steht da in roten fetten Lettern. Und darunter: Ersatzzug. Dufte!
Und dann geschieht es. Auf meinem Handydisplay erscheint die kurze knackige Meldung: SIM-Karte wurde entfernt. Und schwarz ist der Bildschirm, lädt sich neu und klärt mich kurz danach ordnungsgemäß auf, dass keine SIM-Karte eingelegt ist. Ich schalte es ein, aus, ein, aus. Nichts geht mehr. Ich schaue sogar vorsichtshalber nach, ob die SIM-Karte vielleicht tatsächlich verpufft ist. Nein, sie steckt da wo sie stecken soll. Aber sie scheint tot zu sein. Es ist wie es ist. Nach ein paar Minuten verzweifelten Versuchen, die SIM-Karte wieder zu motivieren, sich dem Handy erkenntlich zu zeigen, sehe ich es ein. Nicht telefonieren, keine SMS, kein Internet. Und das mir! Einem Handyjunkie, gefangen in einem Zug, sieben ganze Stunden. Ich könnte heulen. Was für eine Zwangstherapie!
 
Ich steige in Mannheim in den Ersatzzug. Sie haben für die ICE-Kundschaft extra das älteste Intercity-Modell herausgesucht, mit abgewetzten Sitzen, ohne Speisewagen und welch Wunder, auch ohne Hotspot. Wir bleiben erstmal noch für vierzig Minuten am Bahnhof stehen, „die Weiterfahrt verzögert sich noch um wenige Minuten. Bitte haben Sie Verständnis, es handelt sich um eine Türstörung.“ So lohnt sich die Beschwerde bei der Bahn dann auch für jeden und er kann zu Hause was erzählen. Wenn die Bahn was verbockt, dann richtig.
Und ständig klingelt irgendwo vor und hinter mir ein Handy. Ich fühle mich leicht gehandycapt.
Und während ich angenervt durch das Großraumabteil schaue, entdecke ich schräg gegenüber einen gut aussehenden Herrn. Er schaut immer wieder durch die Spalten zwischen den Sitzen zu mir herüber und lächelt. Na siehste Koschka, anstatt mit deinem Handy zu surfen, flirtest du lieber ein bisschen. Und dann überlege mal, was du früher gemacht hast, wenn du Zug gefahren bist und noch kein Handy hattest. Die Welt hast du dir angeschaut, die Leute, die mitfahren und du hast dich immer prächtig amüsiert. Back to the roots. Gehabt euch wohl, eure Koschka!
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