Sonntag, 22. Januar 2012

Auf gute Nachbarschaft!

Dieses Wochenende ist mein Nachbar zu Hause. Das ist durchaus etwas Besonderes, da er sich nur alle vier bis fünf Wochen in seiner Wohnung aufhält. Im März fragte er mich, ob ich für ungefähr einen Monat seine Post aus dem Briefkasten holen würde und seine Mülltonne vor das Haus stellen, wenn die Müllabfuhr kommt. Er würde vorübergehend für ein paar Wochen in Hamburg arbeiten.
"Klar! Kein Problem!" antwortete ich und nahm seinen Briefkastenschlüssel in Empfang. Das war im März 2010! Die Post hole ich noch immer. Der Mülleimer quillt regelmäßig über, wenn der Nachbar mal wieder kurz zu Hause war. 
Ich muss zugeben, ich hatte ab und an mal in die Mülltonne gespickt, da es mir ein Rätsel war, wie man innerhalb von zwei Tagen soviel Müll produzieren kann, vom Gestank, der einem da entgegenkommt ganz zu schweigen! 
Dazu kommt, dass sich die Mülltonne so schwer bewegen lässt, dass ich mich mit meinem ganzen Kampfgewicht dagegenstemmen muss, um sie aus der Tiefgarage zu rollen. 
Nun ja, er benutzt diese schwarzen undurchsichtigen Müllbeutel. Ich bin der Frage, welche Goldschätze er da regelmäßig entsorgt, also nicht näher gekommen. Einen Verdacht habe ich schon. 
Der Nachbar ist Arzt, genauer genommen ist er Pathologe, seine Patienten sind also in den allermeisten Fällen schon tot. Und warum soll sich nicht auch ein Pathologe ab und an mal Arbeit mit nach Hause nehmen? Aber das ist nur so ein Gedanke von mir.

Eben klingelte er bei mir. Er möchte sich mit einer Flasche Martini und einer Packung Ferrero Küsschen für meine Briefkasten- und Mülleimerdienste bedanken und mir bei der Gelegenheit mitteilen, dass er in schon drei oder vier Monaten wüsste, ob er nun endgültig nach Hamburg ziehe oder nicht. 
Ob ich solang seine Post noch....
"Kein Problem!" antwortete ich als gute Nachbarin und stelle den Martini zu den anderen Dankes-Martini-Flaschen. 
Er arbeitet im Moment nicht als Pathologe, sondern muss mehr so Schreibtischarbeit erledigen, antwortete er auf meine höfliche Frage, wie es denn so läuft in Hamburg. 
Er freue sich schon auf die erste Wohnung, in die er gerufen wird, mit einer Leiche, die dort schon seit Wochen liegt. Die schon schäumt und bereits von Würmern befallen ist. Er habe die Schnauze voll von den Lebenden. 
"Ja natürlich!", pflichte ich ihm leicht verwirrt aber durchaus verständnisvoll bei und wünsche ihm sehr schnell noch einen schönen Nachmittag.


Ich werde mir heute Abend einen oder zwei Martini gönnen und für die Nacht meine Wohnungstür ordnungsgemäß verschließen. Den Schlüssel von innen stecken lassen. Man weiß ja nie.
Alive and Kicking! Eure Koschka!
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